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Unternehmen setzen auf MFA – doch Vorsicht vor diesen Fehlern

Unternehmen setzen auf fortschrittliche Authentifizierungsmethoden, um ihre größte Sicherheitslücke zu schließen: ihre Mitarbeiter. Doch aufgepasst: Bei der Umsetzung schleichen sich oft Fehler ein, die den Schutz zunichtemachen. Was Sie tun müssen, um die Fallstricke zu umgehen.

Endlich Schluss mit Benutzername und Passwort! Immer mehr Unternehmen setzen auf Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) für mehr Sicherheit. Doch aufgepasst: Ohne Know-how schleichen sich schnell Fehler ein, die den Schutz zunichtemachen. Die sechs häufigsten Fallstricke – und wie Sie sie umgehen:

Fehlende Risikobewertung

Eine umfassende Risikobewertung ist ein wichtiger erster Schritt bei der Einführung einer Authentifizierung. Ein Unternehmen setzt sich Risiken aus, wenn es die aktuellen Bedrohungen und Schwachstellen, Systeme und Prozesse oder das erforderliche Schutzniveau für verschiedene Anwendungen und Daten nicht bewertet. Deshalb ist es wichtig, die Sicherheit von Organisationen mit fortschrittlicher Authentifizierung zu erhöhen.

Nicht alle Anwendungen brauchen das gleiche Sicherheitsniveau. Anwendungen, die sensible Kunden- oder Finanzdaten verarbeiten, benötigen stärkere Authentifizierungsmaßnahmen als weniger kritische Systeme. Ohne eine Risikobewertung können Unternehmen nicht effektiv priorisieren, welche Anwendungen zusätzliche Authentifizierung benötigen.

Zusätzlich brauchen nicht alle Benutzer Zugriff auf alle Anwendungen oder Daten. Ein Marketingmitarbeiter benötigt zum Beispiel keinen Zugang zu sensiblen HR-Daten. Durch die Bewertung von Rollen können Unternehmen rollenbasierte Zugriffskontrollen (RBAC) einführen, die sicherstellen, dass Benutzer nur auf die Daten und Anwendungen zugreifen können, die sie für ihre Arbeit benötigen.

Mangelnde Sorgfalt bei der Integration der Authentifizierung in bestehende Systeme

Es ist wichtig, sicherzustellen, dass neue Authentifizierungsmethoden mit bestehenden Systemen, besonders Altsystemen, kompatibel sind. Das Einhalten branchenüblicher Authentifizierungsmethoden wie OpenID Connect (OIDC) oder Security Assertion Markup Language (SAML) ist entscheidend und kann Änderungen an den Anwendungsfrontends erfordern. Viele Anbieter bieten Toolkits an, die diesen Prozess erleichtern und eine nahtlose Integration ermöglichen.

Wenn Unternehmen sicherstellen, dass ihre bestehenden Systeme Integrationsmöglichkeiten mit neuen Authentifizierungssystemen haben, können sie die Komplexität der Implementierung verringern und die allgemeine Sicherheit erhöhen.

Nur ein Authentifizierungsfaktor erforderlich

In der heutigen Sicherheitslandschaft ist es unverzichtbar, mindestens zwei Authentifizierungsfaktoren zu verwenden. Hier sind einige empfohlene zusätzliche Faktoren:

  • Physische Token: Geräte wie Yubikey oder Google Titan Token bieten durch digitale Signaturen eine zusätzliche Sicherheitsebene.
  • Biometrische Authentifizierung: Methoden wie Fingerabdrücke oder Gesichtserkennung.
  • Vertrauenswürdige Geräte: Registrierte Geräte oder solche mit verifizierten Zertifikaten gewährleisten, dass nur bekannte und vertrauenswürdige Geräte auf die Systeme zugreifen.
  • Hochgradig vertrauenswürdige Faktoren: Optionen wie die BankID oder die staatliche e-ID.

Bei der Wahl der Authentifizierungsfaktoren ist die Sensibilität der Daten zu berücksichtigen. Für hochsensible Daten empfiehlt sich eine Kombination mehrerer Faktoren, um ein höheres Maß an Sicherheit zu gewährleisten. Weniger sensible Daten können hingegen auch durch ein Passwort in Kombination mit einem zeitbasierten TOTP-Authentifizierungs-App-Code oder einer PUSH-Benachrichtigung geschützt werden.

Eine weitere zu prüfende Option ist die passwortlose Authentifizierung. Hierbei werden statt Passwörtern ausschließlich biometrische Daten, vertrauenswürdige Geräte oder physische Token verwendet, um den Zugang zu gewähren.

Allein auf einen einzigen Authentifizierungsfaktor zu setzen, ist nicht ausreichend, um den sich entwickelnden Bedrohungen für Unternehmen effektiv zu begegnen.

Vernachlässigung der Usability

Ein umständlicher und schwerfälliger Authentifizierungsablauf führt zu Frustration bei den Benutzern. Das Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Zugänglichkeit ist entscheidend für eine positive Benutzererfahrung. Erweiterte Authentifizierungsfaktoren sollten Lösungen bieten, die möglichst wenige Schritte erfordern und Reibungsverluste verringern. Klare Anweisungen, benutzerfreundliche Schnittstellen und Selbstbedienungsoptionen tragen zur Verbesserung des Benutzererlebnisses bei.

Keine Beachtung der Authentifizierungsaktivitäten und -muster

Ohne regelmäßige Überprüfung und Einblicke in das Nutzerverhalten können Unternehmen Risiken nicht effektiv bewerten oder mindern. Eine kontinuierliche Überwachung und Analyse der Authentifizierungsaktivitäten ist daher unerlässlich, um die Sicherheit zu gewährleisten. Identitäts- und Zugriffsmanagement-(IAM)-Plattformen bieten Protokolldaten und Dashboards an. Mit SIEM-Integrationen können Unternehmen zudem Echtzeitwarnungen über verdächtiges oder ungewöhnliches Verhalten erhalten. Diese Warnungen informieren Administratoren und Sicherheitsteams sofort über unberechtigte Zugriffsversuche und ermöglichen schnelle Reaktionen.

Einige Unternehmen setzen auf risikobasierte Authentifizierung, die mithilfe von maschinellem Lernen ein Profil des bisherigen Anmeldeverhaltens erstellt. Bei risikoreichen Anmeldeversuchen werden zusätzliche Authentifizierungsfaktoren verlangt oder der Zugriff verweigert, während bei geringem Risiko weniger Anforderungen gestellt werden oder die Authentifizierung erleichtert wird.

Vernachlässigung der Schulung und Ausbildung von Benutzern

Die Schulung der Benutzer ist entscheidend für die Verbesserung der allgemeinen Sicherheit. Effektive Schulungen sollten klare, benutzerfreundliche Anleitungen zur Einrichtung und Nutzung erweiterter Authentifizierungsmethoden bieten. Diese sollten Schritt-für-Schritt-Anweisungen, Screenshots und Tipps zur Fehlerbehebung enthalten. Praxisbeispiele und Fallstudien von Sicherheitsvorfällen können das Bewusstsein für die möglichen Folgen schärfen. Eine Kultur des Sicherheitsbewusstseins zu fördern, gibt den Benutzern ein Gefühl der Verantwortung und ermutigt sie, aktiv an sicheren Authentifizierungspraktiken teilzunehmen.

Wenn Unternehmen diese Fehler vermeiden, können sie ihre Sicherheit deutlich stärken, das Risiko unerlaubten Zugriffs oder von Datenlecks reduzieren und wichtige Unternehmensressourcen besser schützen.