Studie zur Sicherheit kritischer Infrastrukturen : KI-Sorge und OT-Lücken
Fast alle Sicherheitsverantwortlichen in kritischen Infrastrukturen fürchten Angriffe mit hochentwickelter KI, viele haben ihre eigenen OT-Netze aber nicht vollständig im Blick. Das geht aus einer Studie von Palo Alto Networks hervor.
Palo Alto Networks hat seinen ersten „State of Critical Infrastructure Cybersecurity Report 2026“ veröffentlicht. Dafür hat der Sicherheitsanbieter nach eigenen Angaben mehr als 1.600 Sicherheitsverantwortliche aus kritischen Infrastrukturen befragt. Sie stammen aus elf Ländern und fünf Branchen: Fertigung, Gesundheitswesen und Life Sciences, Energie und Versorgung, Transportwesen sowie öffentlicher Sektor. Auf Deutschland entfallen rund 140 Befragte.
Hierzulande äußern sich laut Studie 97 % der Entscheider besorgt über Angriffe, die von hochentwickelter KI („Frontier-KI“) gestützt werden. Weltweit liegt der Wert bei 95 %. 44 % der deutschen Befragten stufen die Bedrohung als sehr oder extrem hoch ein. Gleichzeitig fehlt 66 % der deutschen Betreiber eine vollständige Echtzeit-Übersicht über ihre OT-Infrastruktur, international sind es 68 %. Fast jeder fünfte deutsche Entscheider beschreibt die Lage als ständigen Wettlauf gegen hochprofessionelle Angreifer.
Die Vorfälle haben bereits spürbare Folgen. 69 % der deutschen Unternehmen hatten in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einen Sicherheitsvorfall, der den Betrieb beeinträchtigte. Am häufigsten nennen die Befragten ungeplante Ausfallzeiten (55 %) und finanzielle Verluste (52 %). Weltweit gaben 60 % an, im vergangenen Jahr einen erheblichen Sicherheitsvorfall erlitten zu haben. Die Hälfte davon meldete in der Folge Bedenken um die physische Sicherheit.
Warum lassen sich OT-Altsysteme oft nicht patchen?
Laut Palo Alto Networks treffen in den Anlagen jahrzehntealte OT-Systeme, die für die Vernetzung und nicht für Sicherheit entwickelt wurden, auf neue Technologien wie IoT, private 5G-Netze und physische KI. Das vergrößere die Angriffsfläche. Mehr als die Hälfte der Sichtbarkeitsprobleme führen die Befragten auf solche OT-Altsysteme zurück. 42 % sehen in veralteten OT-Komponenten, für die keine Patches eingespielt werden können, ihr größtes Einzelrisiko. Die Ursache sei hier, dass diese Anlagen vor allem auf Betriebssicherheit und Verfügbarkeit ausgelegt seien. Gerade die Systeme, die den Verantwortlichen die größten Sorgen bereiten, ließen sich daher durch Patches nicht schützen.
Hinzu kommt eine große Zahl an Werkzeugen. Im Schnitt setzen die Betreiber sieben verschiedene Sicherheitssysteme ein, in Deutschland ebenso wie international. 54 % der deutschen Befragten bemängeln, dass dies den Betrieb komplexer macht. 59 % verweisen auf höhere Betriebskosten durch Wartung und heterogene Altsysteme.
Auch organisatorisch gibt es offenbar Defizite. 74 % der befragten Unternehmen weltweit haben ihre IT- und OT-Sicherheitsabläufe noch nicht vollständig zusammengeführt, auch wenn sich die Teams annähern. Als wichtigste Hindernisse nennen die Befragten inkompatible Technik und unterschiedliche Prioritäten. Dadurch klaffen Lücken zwischen dem Ort, an dem eine Bedrohung erkannt wird, und dem Ort, an dem gehandelt werden müsste.
Wie verändert KI das Tempo von Angriffen?
Frontier-KI verschärft das Problem nach Darstellung des Herstellers vor allem durch das Tempo. Unter Verweis auf einen Incident-Response-Report der hauseigenen Forschungseinheit Unit 42 heißt es, die Zeit zwischen dem Bekanntwerden einer Schwachstelle und ihrer Ausnutzung schrumpfe von Monaten auf Minuten. 2026 seien 29 % der CVEs binnen 24 Stunden ausgenutzt worden. Bis ein Patch eingespielt ist, vergehen laut Palo Alto Networks im Branchendurchschnitt dagegen 55 Tage. KI senke zudem die Hürden für Angriffe auf OT-Umgebungen, etwa beim Aufspüren von Schwächen in verbreiteter Software oder beim Erzeugen von Angriffslogik für Industriesysteme. Die zugrunde liegenden Schwachstellen schaffe die KI nicht, betont der Hersteller. Sie verkürze aber die Zeit, die Verteidigern zum Finden, Priorisieren und Absichern bleibt.
Bei der Abwehr setzen die Befragten offenbar selbst auf KI: 91 % erwarten, dass KI-gestützte Systeme beim Schutz vor KI-beschleunigten Angriffen eine Rolle spielen werden. Grundlegende Schutzmaßnahmen sind dagegen vielerorts lückenhaft. Zwar halten 92 % die Priorisierung von Alarmen für wichtig oder kritisch, die Hälfte stützt sich dabei aber weiterhin auf CVSS-Werte oder manuelle Prüfungen. Richtlinien und Zugriffskontrollen über alle vernetzten Geräte und Nutzer hinweg haben nur 53 % umgesetzt. Über virtuelles Patching oder andere sofort wirksame Ersatzmaßnahmen, die Systeme bis zum offiziellen Update absichern, verfügen lediglich 40 %.
Segmentierung und virtuelles Patching als Schutz
Palo Alto Networks empfiehlt auf dieser Grundlage, Risiken nach der betrieblichen Relevanz der Geräte zu bewerten, Netze stärker zu segmentieren, Schutzmechanismen schon vor der Verfügbarkeit eines Patches einzusetzen und IT- und OT-Teams enger zusammenarbeiten zu lassen. Der Hersteller bietet für mehrere dieser Punkte eigene Produkte an, darunter virtuelles Patching und Mikrosegmentierung im Firewall-Betriebssystem PAN-OS 12.2.
Der vollständige Report steht auf Englisch auf der Website von Palo Alto Networks zur Verfügung.
(Hinweis: Dieser Beitrag wurde mithilfe von KI-Tools erstellt und anschließend von der Redaktion inhaltlich geprüft und überarbeitet.)
