Editorial : Wissen ist Macht, …
… denn wer etwas selbst nicht (besser) weiß und einschätzen kann, überlässt Entscheidungen – und damit auch Macht über sich und seine Ressourcen – notgedrungen oder bequemerweise jemand anderem. Das kann zum Beispiel ein eloquenter Verkäufer* sein, eine überzeugende Phishingmail, eine Quelle im Internet oder auch eine künstliche Intelligenz (KI). Einer Empfehlung zu folgen oder einer Information zu vertrauen, ist natürlich nicht falsch oder verwerflich – würden wir alles immer selbst bis ins Letzte ausarbeiten und entscheiden wollen, kämen wir wohl nie zum Ziel. Dennoch lohnt es sich, in einem härter gewordenen kommerziellen Umfeld, einer von vielerlei Interessen geleiteten spannungsgeladenen Welt und in polarisierten bis gespaltenen Gesellschaften/Communitys zweimal zu überlegen, wem oder was man „folgt“ – oft bedeutet das gleichermaßen, „wem man sein Vertrauen schenkt“.
Auch wenn man nicht jedes Detail auswendig kennen muss (bzw. kann), braucht es für eine selbstwirksame Entscheidung doch ein grundlegendes Verständnis, um hilfreiche Vorarbeiten und Vorschläge (mit einer gewissen „Sicherheit“) von weniger vertrauenswürdigen, manipulativen oder schlicht falschen Aussagen zu unterscheiden. Wer das dafür benötigte Wissen besitzt und auch angewendet hat, darf dann guten Gewissens auch mal falsch liegen – das wird sich nicht immer vermeiden lassen. Wer aber „kopflos“ Entscheidungen in fremde Hände legt, handelt naiv oder sogar fahrlässig.
Es klang schon an: Bei alldem genügt jedoch auch nicht, wenn Wissen nur im Kopf verfügbar ist – denn seine Anwendung führt erst über das „Herz“ in die „Hände“! Wer nicht mit dem Herzen bei der Sache ist, handelt häufig „wider besseres Wissen“ oder einfach gleichgültig bis leichtfertig – und wenn das Herz für etwas „Unvernünftiges“ schlägt, folgt man dem womöglich auch gegen alle Rationalität. Das lässt sich sowohl in der Gesellschaft als auch in Sachen Sicherheit oft beobachten, weswegen es so wichtig ist, nicht nur Fakten zu verbreiten, sondern auch (Sicherheits-)Kultur zu etablieren und zu fördern. Erkenntnisse dazu und wie man den „ganzen Menschen“ (spielend) einbinden kann, anstatt ihm Wissen mehr oder minder folgenlos einzutrichtern, erläutert unser Titelbeitrag ab Seite 56.
(Spätestens) Wo Kultur und gesellschaftliche Selbstorganisation lange genug versagen, folgt eine – hoffentlich angemessene – Regulierung. Die ist zwar immer nur die „zweite Wahl“, weil sie gerne mal Widerstand (Reaktanz) provoziert und darüber hinaus Überwachung und Durchsetzung erfordert, doch manchmal muss man der „Vernunft“ offenbar erst auf die Sprünge helfen. So verdonnert die EU mit NIS-2 nun die Geschäftsleitungen, die Sicherheit verbreitet zu lange als lästig oder Problem anderer Leute angesehen haben, zum Nachsitzen – wie diese „Schulpflicht“ zu erfüllen ist, diskutiert unser Autor ab S. 62.
Allen Leserinnen und Lesern wünschen Redaktion und Verlag der überstundenfreie und unbeschwerte Feiertage sowie ein friedvolles und sicheres neues Jahr 2026!
Norbert Luckhardt

