Deutsche Unternehmen ohne Plan B bei KI-Anbietern
Eine Befragung von 500 IT-Entscheidern in fünf europäischen Ländern offenbart Lücken bei Exit-Strategien, Datentransparenz und Governance für Agentic AI. Eine Mehrheit der deutschen Befragten fordert vom Gesetzgeber verbindliche Open-Source-Vorgaben.
Vier von zehn deutschen Unternehmen haben keinen definierten Notfallplan, falls ihr wichtigster KI-Anbieter den Zugang zu seinen Diensten einschränkt. Das geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie des Open-Source-Anbieters Red Hat hervor, für die das Marktforschungsinstitut Censuswide zwischen dem 20. und 25. März 2026 jeweils 100 IT-Entscheider in Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Italien und den Niederlanden befragt hat.
Laut Red Hat geben nur 57 Prozent der deutschen Teilnehmer an, über eine ausgearbeitete Exit-Strategie zu verfügen. Zugleich rechnen 37 Prozent dieser Unternehmen mit moderaten bis erheblichen Folgen für die Geschäftskontinuität, sollte ein Anbieterwechsel notwendig werden. Die Studie deutet damit auf eine Lücke zwischen formuliertem Anspruch und operativer Handlungsfähigkeit hin.
Governance hält mit Agentic AI nicht Schritt
Besonders ausgeprägt sei der Nachholbedarf im Bereich Governance für Agentic AI. Nur 30 Prozent der deutschen Befragten verfügen nach eigenen Angaben über ausgereifte Strukturen für solche Lösungen. 29 Prozent berichten von vorhandenen, aber lückenhaften Regelwerken, weitere 27 Prozent geben an, dass ihre Governance lediglich Grundlagen abdeckt. Im länderübergreifenden Durchschnitt verfügen 64 Prozent der Unternehmen zumindest über teilweise oder umfassende Strukturen.
Red Hat zieht aus diesen Werten den Schluss, dass die Governance-Reife mit der raschen Verbreitung von Agentic AI nicht Schritt hält. Während die Technologie zunehmend in Geschäftsprozesse einfließt, bleiben die Steuerungs- und Kontrollmechanismen dahinter zurück.
Bei der Datentransparenz schneidet Deutschland im europäischen Vergleich vergleichsweise gut ab. 51 Prozent der deutschen Unternehmen geben an, vollständig nachvollziehen zu können, wo ihre Daten gespeichert, verarbeitet und potenziell zugänglich sind. 46 Prozent räumen ein, keinen vollständigen Überblick zu haben, bei lediglich 3 Prozent bestehen erhebliche Lücken. Damit liegt der Anteil der Entscheider mit zumindest teilweiser Transparenz bei 97 Prozent – laut Red Hat der höchste Wert im Vergleich der untersuchten Länder. Die Niederlande und Italien folgen mit jeweils 90 Prozent.
Open Source als Hebel für Souveränität
Um die verbleibenden Lücken bei Transparenz und Kontrolle zu schließen, sehen 69 Prozent der befragten IT-Entscheidungsträger Open Source als zentrales Mittel. Der Ansatz biete mehr Kontrolle darüber, wie KI entwickelt wird und wo sie betrieben wird. Für die kommenden drei Jahre erwarten die Befragten die größten Beiträge offener Software in drei Bereichen: mehr Vertrauen durch Kontrolle über Entwicklung und Betrieb (69 Prozent), bessere Anpassbarkeit an geschäftliche und regulatorische Anforderungen (68 Prozent) sowie höhere Transparenz und Prüfbarkeit (68 Prozent).
Auch politisch zeigen sich die deutschen Befragten offen für verbindliche Vorgaben. 72 Prozent sprechen sich dafür aus, dass der Gesetzgeber Open-Source-Prinzipien wie Transparenz, Prüfbarkeit und entsprechende Lizenzmodelle verpflichtend verankert, um Unternehmen beim Erreichen von KI-Souveränität zu unterstützen.
Gregor von Jagow, Senior Director und Country Manager Deutschland bei Red Hat, sieht eine deutliche Kluft zwischen der Verbreitung von KI in den Unternehmen und der Fähigkeit, diese zu steuern. Souveränität entstehe nicht durch den Einsatz einzelner Technologien, sondern durch die Möglichkeit, Modelle und Infrastrukturen kontrolliert zu orchestrieren und im Bedarfsfall zu wechseln.
Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI-Werkzeugen erstellt. Die inhaltliche Verantwortung, Überprüfung der Fakten und redaktionelle Bearbeitung liegen bei der Redaktion.
