Banner E-Learning IT-Sicherheit
Free

Digitale Zwillinge: Industrie scheitert an fehlenden Daten und schwacher IT

Sechs von zehn Industrieunternehmen halten digitale Zwillinge für wettbewerbsentscheidend. Doch in der Praxis bremsen Datenlücken und mangelhafte IT-Infrastruktur den Einsatz aus.

Lesezeit 2 Min.

Unter einem digitalen Zwilling versteht man eine Art Computer-Klon eines Geräts, einer Maschine, einer Anlage oder einer ganzen Fabrik, mit dem sich Abläufe simulieren, überwachen, planen und steuern lassen. Voraussetzung dafür sind große Mengen an Echtzeitdaten sowie eine leistungsfähige technische Infrastruktur – beides ist laut nur  Studie vom Branchenverband Bitkom nur unzureichend vorhanden.

Daten- und Infrastrukturlücken bremsen die Umsetzung

57 Prozent der befragten Industrieunternehmen geben demnach an, dass die für den Einsatz digitaler Zwillinge notwendigen Daten fehlen. Knapp die Hälfte (48 Prozent) sieht Mängel in der IT-Infrastruktur als Grund dafür, dass entsprechende Projekte häufig scheitern.

Auch die Selbsteinschätzung der Branche fällt verhalten aus: Nur 23 Prozent der Unternehmen verorten sich beim Thema digitale Zwillinge an der Spitze oder als Vorreiter – konkret 3 Prozent ganz vorn und 20 Prozent als Vorreiter. 60 Prozent ordnen ihr Unternehmen als Nachzügler ein, 14 Prozent meinen, den Anschluss verpasst zu haben.

Nach Bitkom-Vizepräsidentin Tanja Rückert hätten digitale Zwillinge eine „herausragende Bedeutung für die Zukunft der deutschen Industrie“. Die Technologie brauche vor allem Daten. Unternehmen sollten sich nicht nur intensiv mit Erkenntnissen aus Initiativen in diesem Bereich befassen, sondern auch bereit sein, eigene Daten mit anderen zu teilen. Zudem sei die Politik gefordert, Unternehmen gezielt zu unterstützen. Rückert nennt explizit „niedrigschwellige KI-Förderprogramme für den Mittelstand“.

Hoher erwarteter Nutzen

Trotz der Umsetzungsprobleme bewertet die Industrie den potenziellen Nutzen digitaler Zwillinge mehrheitlich positiv. 62 Prozent der Unternehmen rechnen ihnen eine große Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit zu, davon 27 Prozent eine sehr große und 35 Prozent eine eher große. 36 Prozent halten die Bedeutung dagegen für gering – 21 Prozent eher gering, 15 Prozent sehr gering.

Mit Blick auf konkrete Anwendungsfelder in der Produktion sehen laut Bitkom 79 Prozent der Befragten in digitalen Zwillingen ein Mittel für vorausschauende Wartung, das ungeplante Ausfälle vermeiden soll. Jeweils 58 Prozent sind der Auffassung, die Technologie mache Produktionsprozesse effizienter beziehungsweise eröffne die Möglichkeit für völlig neue Geschäftsmodelle. Eine Rolle spielt zudem der Nachhaltigkeitsaspekt: Zwei Drittel (66 Prozent) sehen in digitalen Zwillingen eine Möglichkeit, Emissionen zu reduzieren.

Die Diskrepanz zwischen erkanntem Nutzen und tatsächlichem Umsetzungsstand zieht sich damit durch die gesamte Erhebung: Während eine deutliche Mehrheit der Unternehmen die strategische Relevanz der Technologie betont, verorten sich drei von vier Befragten beim eigenen Reifegrad im Mittelfeld oder darunter. Methodisch basieren die Angaben auf einer repräsentativen telefonischen Befragung von 555 Industrieunternehmen ab 100 Beschäftigten durch Bitkom Research.

(Quelle: Bitkom)