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Editorial : Unfriede im Cyberraum

Längst nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden – wie die deutsche Generalität die aktuelle Lage beschreibt (siehe auch S. 71), könnte man sie wohl auch im Cyberraum einordnen. Grenzen werden ausgetestet, Ziele ausgespäht, virtuelle Attacken mithilfe von „Wegwerfagenten“ und Gruppen durchgeführt, die irgendwo zwischen Cyberkriminalität und Aktivismus zu verorten sein mögen, und auch staatliche Akteure einzusetzen, ist kein „No-Go“.

Wie bei bewaffneten Auseinandersetzungen und erst recht im Krieg der „realen Welt“ leiden auch die Zivilbevölkerung und -gesellschaft im Cyberraum unter den Aktivitäten der beteiligten Gruppierungen – entweder durch „Kollateralschäden“ oder gezielte Angriffe und Aggressionen, die offenbar auch im 21. Jahrhundert kein Kriegsvölkerrecht und keine Ethik unterbinden können. Daher braucht es Warnsysteme, Selbst- und Zivilschutz für Menschen und Infrastruktur – in jeglicher physischen wie virtuellen Umgebung. Das alles hat Auswirkungen auf die „ideale“ Informations-/Cyber-/IT-Sicherheit von Unternehmen, Behörden und sonstigen Organisationen – und legt nahe, sich auch (oder noch) einmal näher damit zu befassen, was man sich von militärischen Vorgehensweisen abgucken kann (siehe S. 58 und S. 64) und sich überdies zu fragen, ob oder wie gut wir eigentlich auf einen „Cyber-War“ vorbereitet sind.

Mit dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine im Februar 2022 wurde in den Augen vieler eine „Zeitenwende“ vollzogen – dieser Krieg rückte den westlichen Wohlstandsgesellschaften deutlich näher als vieles, was davor schon an anderen Orten passiert war und immer noch passiert. Der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz sagte in seiner Regierungserklärung: „Die Welt danach ist nicht mehr dieselbe wie die Welt davor.“ Und als hätten wir mit all dem Irrsinn der „normalen“ Welt, der sich längst auch im Cyberraum manifestiert, nicht genug zu tun, bewirken die Fortschritte rund um künstliche „Intelligenz“ (KI) nun eine weitere Zeitenwende – hier dürfte es auch nicht lange dauern, bis deren Aktivität nicht mehr nur aus „isolierten Systemen“ ausbricht, sondern auch aus den virtuellen Weiten in reale Regionen übergreift. Von daher kommt auch diese <kes> nicht ohne eine ganze Strecke von Beiträgen aus, die sich Chancen und Risiken von KI sowie deren Beherrschung widmet (S. 11 bis S. 29).

Wer Augen hat, der sehe, was uns all das in Kombination bescheren könnte. Es wird viele Hirne und Hände brauchen und viele Mühen, um Errungenschaften der Zivilisation oder sogar unsere Zivilisation als solche zu bewahren und auszubauen. Im Cyberraum dürfte es nicht ohne mehr Kooperation und Zusammenhalt der Security-Gemeinde gehen – auch über die ureigenen Grenzen und materiellen Interessen hinaus.

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