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Brandbekämpfung mit Hochdruck : Hochdruck-Wassernebel als alternatives Löschsystem

Wassernebel-Löschanlagen sind bereits in den 1930er-Jahren patentiert worden, aber noch immer deutlich weniger bekannt und verbreitet als klassische Sprinkler- oder Gaslöschanlagen. Angesichts erhöhter Flexibilitäts- und Effizienzanforderungen in Rechenzentren könnten dabei heute auch Systeme, die in der Anschaffung mehr kosten, auf lange Sicht günstiger und nachhaltiger sein, betont unsere Autorin.

Lesezeit 3 Min.

Von Anne Omar, Köln

Die Anforderungen an die Planung und den Betrieb eines Rechenzentrums steigen stetig. Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sind dabei zu wesentlichen Schlagwörtern geworden, die mit dem neuen Energieeffizienzgesetz auch regulatorische Auswirkungen haben. Es ist von Vorteil, wenn alle Gewerke – inklusive der technischen Gebäudeausstattung – zur Minderung der Komplexität beitragen. Dem Brandschutz kommt dabei eine besondere Rolle zu – ein Verzicht auf aktive Brandschutzanlagen aus Effizienz- oder Kostengründen sollte angesichts verheerender Brände in der Vergangenheit heutzutage keine Option mehr sein. Moderne, individuell geplante Anlagen, die sich flexibel anpassen lassen und über den gesamten Lebenszyklus einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten, lohnen eine nähere Betrachtung.

Abbildung 1: Pumpenanlagen für Hochdruckwassernebelsysteme sind bei Bedarf modular erweiterbar.

Ob die Vorgaben des neuen Energieeffizienzgesetzes ihre Zielsetzungen in Bezug auf Nachhaltigkeit erfüllen werden, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass mehr Energieeffizienz das potenzielle Brandrisiko erhöhen kann: zum Beispiel der Einsatz leistungsfähiger Kabel oder eine verstärkte Nutzung alternativer Energieträger wie Lithium-Ionen-Batterien oder perspektivisch Wasserstoff. Auch Umbauten und Nachrüstungen werden zunehmend ein Thema, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Das verändert Brandlasten und erfordert gegebenenfalls Anpassungen im Brandschutzkonzept.

Brandschutz neu denken

Abbildung 2: Hochdruckwassernebeldüsen versprühen äußerst feine Wassertröpfchen und benötigen dadurch deutlich weniger Löschwasser.

Im Bereich der aktiven Brandbekämpfungssysteme stehen verschiedene Verfahren zur Auswahl und jede hat für bestimmte Anwendungen ihre Daseinsberechtigung mit Vor- und Nachteilen. Wesentlich zu nennen sind hier Gaslöschsysteme, Sprinkler- sowie Wassernebelsysteme. Um die Komplexität der Dienstleister, Wartungszyklen und letztlich sogar Sicherheitsrisiken zu minimieren, kann es von Vorteil sein, dieselbe Technik für sämtliche Bereiche eines Rechenzentrums auszuwählen und somit sowohl White Space, technische Bereiche, Zwischendecken und unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) als auch Büros und Konferenzräume mit nur einem System abzusichern.

Ein zweiter spannender Faktor sind Möglichkeiten zu einer etwaigen Anpassung des Brandschutzes im Falle baulicher Veränderungen, Erweiterungen oder modifizierten Brandlasten – wobei für Letzteres beispielsweise schon die Lagerung von Druckerpapier im White Space genügen kann.

Und nicht zuletzt sollte eine heutige Anlage auch einen Beitrag zu modernen Anforderungen an Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit leisten: angefangen bei den verwendeten Materialien und einer effizienten Steuerung über den benötigten Wartungsaufwand bis hin zum genutzten Löschmittel und dessen erforderlicher Menge.

Schutz von Datenträgern

Es gibt zahlreiche Pro- und Contra-Argumente zu den unterschiedlichen Brandbekämpfungsverfahren. Unter dem Strich müssen sie im Ernstfall funktionieren und das Schutzziel erreichen, für das sie ausgelegt worden sind. Alle eingangs aufgezählten Systeme haben ihre Funktionalität bewiesen, sind unabhängig geprüft und zugelassen und nach allen gängigen Normen einsetzbar.

Heutiger Standard sind in Europa sicherlich immer noch Gaslöschanlagen: Sie ersticken einen Brand und es entstehen keine Wasserschäden. Nachteilig ist, dass solche Systeme nur bedingt bereichsgesteuert sind. Im Falle einer Auslösung wird der gesamte jeweilige Raum mit dem vorgehaltenen Gas geflutet, das anschließend zu ersetzen ist – besonders ärgerlich ist dieser Umstand bei einer Fehlauslösung. Die Gase, die dabei ausgebracht und entsorgt oder in die Atmosphäre entlassen werden, sind im Übrigen nicht gerade umweltfreundlich.

Das Löschmittel Wasser, bei dem es sich um normales Leitungswasser handelt, ist sicherlich nachhaltiger – sowohl im Aufwand zur Bereitstellung sowie in seiner Zusammensetzung als auch in der Beseitigung nach der Auslösung. Gerade Anlagen, die punktuell nur in Bereichen auslösen, wo ein Brand detektiert wurde und zusätzlich die betroffenen Glasfassdüsen aufgegangen sind, sorgen für geringstmöglichen Ressourceneinsatz und Kollateralschaden – alle anderen Bereiche bleiben unberührt und die Leitungen trocken.

Hochdruckwassernebelanlagen, die feinste Tröpfchen verteilen, setzen das Löschmedium besonders nachhaltig ein: Sie benötigen nur ein Zehntel der Wassermenge einer klassischen Sprinkleranlage. Wasserschäden sind bei einer solchen Anlage praktisch vernachlässigbar. Der Wassernebel hat überdies den Vorteil, dass er korrosive Stoffe aus der Luft wäscht, die bei Gaslöschanlagen auf Servern und Hardware verbleiben und diese schädigen könnten.

Fazit

Nachhaltigkeit muss ganzheitlich gesehen werden und beginnt in der Art der Herstellung von Systemen sowie den verwendeten Materialien. Die Menge genutzter Ressourcen sowie der Einfluss von Anlagen und Systemen auf die Umwelt sind darüber hinaus über den gesamten Lebenszyklus zu berücksichtigen.

Der Brandschutz steht bei Betrachtung der zahlreichen Richtlinien und Kennzahlen zum Thema Nachhaltigkeit, an denen sich Rechenzentrumsbetreiber heute orientieren müssen, sicherlich nicht an vorderster Stelle. Dennoch kann er bei durchdachter Planung und der Auswahl des richtigen Systems einen positiven Beitrag zur Gesamtbilanz leisten.

Anne Omar ist Global Key Account Manager Data Center bei der FOGTEC Brandschutz GmbH.

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