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Editorial : Kooperation gewinnt – Kultur trumpft

Der 20. Deutsche IT-Sicherheitskongress stand Anfang Mai unter dem Motto „Cybernation Deutschland: Kooperation gewinnt“ und hat damit auch den Wunsch und die Vision von BSI-Präsidentin Claudia Plattner reflektiert, dass Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Staat, dass wir alle (endlich) gemeinsam, Schulter an Schulter die Cyber-Sicherheit voranbringen. Das wäre richtig und wichtig. Damit das klappt, müssen wir es aber nicht nur sollen, sondern wir alle müssen es aus eigenem Antrieb und ohne Zwang wirklich wollen – oder noch besser: tun!

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Norbert Luckhardt

Der 20. Deutsche IT-Sicherheitskongress stand Anfang Mai unter dem Motto „Cybernation Deutschland: Kooperation gewinnt“ und hat damit auch den Wunsch und die Vision von BSI-Präsidentin Claudia Plattner reflektiert, dass Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Staat, dass wir alle (endlich) gemeinsam, Schulter an Schulter die Cyber-Sicherheit voranbringen. Das wäre richtig und wichtig. Damit das klappt, müssen wir es aber nicht nur sollen, sondern wir alle müssen es aus eigenem Antrieb und ohne Zwang wirklich wollen – oder noch besser: tun!

Denn eine Nation, die sich selbst als solche versteht und aus sich selbst heraus „funktioniert“, ist nicht, wofür ein Staat oder eine übergeordnete politische Gemeinschaft einen Rahmen definiert, sondern eine Nation muss sich finden. Die Definition in der Wikipedia spricht von einer größeren Gruppe oder einem Kollektiv von Menschen, „denen gemeinsame Merkmale … zugeschrieben werden“. Zuerst kommen die Merkmale, die gemeinsame Kultur mit Werten und Verhaltensweisen, danach wird die entsprechende Gemeinschaft als Nation wahrgenommen – sie selbst tut das vermutlich ebenfalls anhand der bewussten gemeinsamen Kultur.

Zu einer (Cyber-Sicherheits-)Kultur kann man einladen, man kann sie vorleben und erläutern, für sie werben, an Menschen appellieren et cetera – darin besteht wohl nicht zuletzt das Wesen der „Security-Evangelists“, wie es sie bei einigen Sicherheits-Anbietern gibt und das auch einen Teil von Plattners Handeln sowie (hoffentlich) der <kes> und anderen engagierten Medien und Aktivisten ausmacht. Einer Kultur kann man sich anschließen, sich ihr zugehörig fühlen. Kultur ist eben nicht nur das, was andere tun (sollen), sondern allem voran das, was man selbst tut – aus Überzeugung oder zumindest aus Einsicht.

Das heißt jetzt nicht, dass Regulierung nicht wichtig wäre: Maßnahmen kann man sehr wohl verordnen – und sollte das auch. Denn die letzten Jahrzehnte haben doch recht deutlich gezeigt, dass es an vielen Stellen nicht genügt, auf Freiwilligkeit und „der Markt regelt das schon“ zu setzen. Kooperation ist der nächste Schritt, hat oft aber noch den Geschmack von „Leistung und Gegenleistung“, die vereinbart und eingefordert werden, um (immerhin!) ein gemeinsames Ziel zu erreichen – hier wären wir vielleicht auf der Stufe „Cyber-(Sicherheits-)Ökonomie“. Um den großen Schritt zu Kultur und Kultur-Nation zu schaffen, braucht es aber wirkliche Freiwilligkeit: Man handelt nicht mehr nur und womöglich erst dann, wenn auch „die anderen“ ihre Pflicht und Schuldigkeit getan haben. Dann handelt man aus sich heraus und gegebenenfalls auch im Vertrauen darauf, dass andere mitziehen und das eigene („richtige“) Handeln nicht zu ihrem Vorteil verkehren.

Und deshalb genügt es auch nicht, gebetsmühlartig den schwarzen Peter rotieren zu lassen und anderen nachdrücklich mitzuteilen, was sie denn alles besser machen könnten. Wenn wir eine „lebende“ Cybernation werden wollen, müssen wir – muss jeder*, Mensch wie Organisation – schlicht und einfach damit anfangen, selbst eine Cyber-(Sicherheits-)Kultur zu leben.

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